Weder Maas noch Memel§Die Deutschen und ihr verlorener Strom§Nichts deutet darauf hin, dass im R_cken des Fotografen Tilsit liegt, Ostpreu_ns zweitgre Stadt. Es war die Abgeschiedenheit und landschaftliche Sch_nheit Ostpreu_ns, die Walter Engelhardt Anfang der drei_ger Jahre veranlasste, von...
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Weder Maas noch Memel§Die Deutschen und ihr verlorener Strom§Nichts deutet darauf hin, dass im R_cken des Fotografen Tilsit liegt, Ostpreu_ns zweitgre Stadt. Es war die Abgeschiedenheit und landschaftliche Sch_nheit Ostpreu_ns, die Walter Engelhardt Anfang der drei_ger Jahre veranlasste, von Th_ringen an den _stlichen Rand des Reiches zu ziehen. Tilsit wurde der Ausgangspunkt seiner Streifz_ge mit der Kamera durch das Land der vielen Himmel. Seine Frau hat diese Fotos 1945 auf die Flucht mitgenommen und nach Th_ringen gerettet.§Ostpreu_n. Auch wer nie da war, kennt die Bilder. Herausgeputzte D_rfer und schattige Alleen, _ber die sich ein weiter Himmel spannt; Pferdefuhrwerke und Bauern auf den Feldern; K_nigsberg mit dem Dom und den K_en auf dem Pregel; die Seenlandschaft Masurens; Menschen vor ihren H_ern, die Frauen mit Kopftchern, die Kinder oft barfu Ostpreu_n war, wie es Marion Gr_n D_nhoff formulierte, eine Welt, die noch von der Natur bestimmt war und von einer gewissen Ehrfurcht, die inzwischen der gedankenlosen und unbarmherzigen Hybris des Menschen zum Opfer gefallen ist.§Doch nicht nur dem technischen Fortschritt fiel dieses Ostpreu_n zum Opfer, sondern auch der Geschichte. Mit der Flucht und Vertreibung von 2,2 Millionen der ehemals 2,5 Millionen Bewohner endet in den Jahren nach 1945 das 700 Jahre w_ende Kapitel der Deutschen in der ostpreu_schen Geschichte.§Insgesamt werden aus dem deutschen Osten, aus Ostpreu_n und Westpreu_n, aus Pommern und Schlesien, aus dem Posener Land und den Sudeten 14 Millionen Menschen vertrieben. All das, wovon Marion Gr_n D_nhoff in ihrem Buch Namen die keiner mehr nennt spricht, ist seitdem Vergangenheit, eine versunkene Welt, bestenfalls noch abrufbar auf den Schwarz-Wei_Fotografien, die geblieben sind: _ein gro_r Himmel (...), bescheidene D_rfer, Kopfsteinpflaster, Sonnenblumen im Vorgarten, G_e auf den Stran. D_nhoff bezeichnet ihre Schrift als Buch des Abschieds. Es ist ein Abschied von einer Welt, _in der die Jahreszeiten den Rhythmus des Lebens noch ganz unmittelbar bestimmten: das weidende Vieh auf sommerlichen Wiesen, Regenwolken _ber leeren Stoppelfeldern, der Schrei der Wildg_e, die im Fr_hjahr gen Norden ziehen, der Ruf der H_r im herbstlichen Gehlz, die Fuchsspur im frisch verschneiten Wald.§Es sind Autoren wie Marion Gr_n D_nhoff oder Christian Graf von Krockow, aber auch Schriftsteller wie Johannes Bobrowski oder Siegfried Lenz, die den nachfolgenden Generationen die Bilder Ostpreu_ns erhalten haben. Zu diesen Bildern geh_ren auch die Fotografien des K_nigsberger Denkmalamtes aus den Jahren 1880 bis 1943, die der 1934 im ostpreu_schen J_ack geborene Schriftsteller Arno Surminski ver_ffentlicht hat. In ihnen wird die versunkene Landschaft noch einmal lebendig, nicht nur f_r jene, die sie einst mit eigenen Augen gesehen haben, sondern auch denen, die sie nur vom H_rensagen kennen. Eines aber sucht man in dem Bilderreigen vergeblich: eine W_rdigung der Memel. In all den Erinnerungen, Fluchtberichten, Bildb_en, die sich seit der Wende zu Dutzenden auf den B_chertischen stapeln, kommt der gre Strom Ostpreu_ns allenfalls am Rande vor. Nicht einmal das Ostpreu_sche Landesmuseum in L_neburg widmet ihm ein eigenes Kapitel. Beinahe scheint es, als sei die Memel im Erinnern der Deutschen an ihre einst _stlichste Provinz gar nicht eingeschlossen, als w_rden der Strom und mit ihm St_e wie Tilsit, Ru_und Memel ein zweites Mal in Vergessenheit geraten.§Ein Grund f_r diese Fehlstelle mag in der erinnerten Topografie Ostpreu_ns liegen. Anders als der Pregel mit seinen Quellfl_ssen Inster und Angerapp floss die Memel nicht durch die Mitte Ostpreu_ns - und damit mitten durch seine einzige Metropole K_nigsberg -, sie streifte die Provinz lediglich im Norden. Hinzu kam, dass das deutsche Ordensland, aus dem sp_r das Herzogtum Preu_n und die deutsche Provinz Ostpreu_n hervorgingen, an seinen R_er seit jeher ein ethnisch, ku
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